Pascale Vayer, 23. September 2026
Jedes Jahr, wenn Weihnachten näher rückt, stelle ich mir dieselbe Frage: Wie kann man einem Kind, das mitten im Krieg aufwächst, ein wenig Freude schenken?
Seit mehr als vier Jahren prägt der Krieg in der Ukraine das Leben von Millionen Kindern. Viele haben ihr Zuhause verloren, mussten fliehen, leben in der Nähe der Front oder haben einen Elternteil verloren.
Angesichts dieser Realität fühlt man sich manchmal machtlos. Genau aus diesem Gefühl heraus habe ich gemeinsam mit unseren ukrainischen Partnern Save Ukraine und Caritas-Spes Ukraine das Projekt Weihnachtsengel (Christmas Angels) für Kinder ins Leben gerufen, die unter den Folgen des Krieges in der Ukraine leiden.
Unser Ziel ist einfach: Kindern im Krieg zu Weihnachten Freude und Hoffnung zu schenken. Denn jedes Geschenk trägt dieselbe Botschaft:  „Du bist nicht vergessen. Jemand denkt an dich.“
Seit Beginn des Sommers bereiten wir dieses Projekt gemeinsam mit unseren Partnern in der Ukraine vor. Hinter jedem Kind steht eine Geschichte, hinter jedem Geschenk engagierte Menschen, die nicht wegsehen.
In diesem Blog nehme ich Sie mit hinter die Kulissen von Weihnachtsengel. Ich zeige, wie das Projekt funktioniert, welchen Herausforderungen wir uns in der Ukraine stellen müssen und warum Hoffnung selbst in den dunkelsten Zeiten möglich bleibt.
Denn trotz Krieg, Angst und Unsicherheit träumen Kinder weiter von einer besseren Zukunft. Gemeinsam können wir ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind.
Das Prinzip des Projekts ist denkbar einfach.
Wir laden Einzelpersonen, Familien und Unternehmen ein, zum „Weihnachtsengel“ eines ukrainischen Kindes zu werden und das Geschenk zu finanzieren, das dieses Kind selbst ausgewählt hat.
Es ist kein Geschenk, das ein Erwachsener bestimmt. Es ist der persönliche Wunsch des Kindes. Eine Puppe. Ein Fußball. Ein LEGO-Set. Ein Buch. Ein Kopfhörer. Eine Schachtel Buntstifte.
Dinge, die für viele von uns selbstverständlich erscheinen mögen, für diese Kinder jedoch oft einen lang gehegten Traum darstellen.
Denn wenn scheinbar alles verloren gegangen ist, bedeutet die Möglichkeit, selbst etwas auswählen zu dürfen, unendlich viel.
Viele Menschen glauben, dass ein Projekt dieser Größe von einer großen Organisation mit umfangreichen Ressourcen durchgeführt wird. Die Realität ist wesentlich bescheidener.
Ein großer Teil der Koordination liegt direkt bei mir, unterstützt von unseren ukrainischen Partnerorganisationen.
Ich suche Sponsoren unter Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen. Ich erstelle Projektunterlagen, koordiniere die Kommunikation, überwache die Spendengelder und achte darauf, dass jedes Kind einen Sponsor findet. Mein Ziel ist einfach:
Kein einziges Kind im Projekt darf vergessen werden.
Jedes Jahr bedeutet dies Hunderte von Arbeitsstunden, aber auch viele bewegende Begegnungen mit Menschen, die konkret helfen möchten.
Während ich das Projekt von Österreich aus koordiniere, wird die schwierigste Arbeit in der Ukraine geleistet.Â
Unsere Partner Save Ukraine und Caritas-Spes Ukraine stehen täglich an der Seite von Kindern und Familien, die vom Krieg betroffen sind. Sie organisieren psychosoziale Hilfsprogramme, begleiten vertriebene Familien, unterstützen traumatisierte Kinder und arbeiten oft in Regionen nahe den Kampfgebieten.
Sie sind es, die die teilnehmenden Kinder auswählen. Sie erstellen den Geschenkkatalog. Sie kaufen die Geschenke ein, verpacken sie liebevoll und verteilen sie persönlich.
Sie organisieren Weihnachtsfeiern in ihren Zentren oder, wenn Bombenangriffe stattfinden, in Schutzbunkern und schenken den Kindern einige Stunden, in denen sie einfach nur Kinder sein dürfen.
Ihr Mut und ihr Engagement beeindrucken mich von Jahr zu Jahr mehr.
Ein Weihnachtsprojekt in einem Kriegsgebiet zu organisieren, bringt unzählige Herausforderungen mit sich. Für Menschen in Westeuropa ist es oft schwer vorstellbar, mit welchen Hindernissen unsere Partner konfrontiert werden. Der Krieg beeinflusst jede einzelne Phase des Projekts.
Eine Region kann plötzlich unerreichbar werden. Bombardierungen können Transporte unterbrechen. Familien müssen erneut fliehen. Bestimmte Geschenke sind im Handel plötzlich nicht mehr verfügbar. Rehabilitationszentren müssen evakuiert werden. In manchen Fällen hat ein Kind die Region bereits verlassen, wenn die Zeit der Geschenkverteilung gekommen ist.
Der Krieg schafft eine ständige Unsicherheit, die wir in jedem Projektschritt berücksichtigen müssen. Nichts ist jemals vollständig vorhersehbar. Unsere Partner beweisen dabei immer wieder außergewöhnliche Kreativität und Anpassungsfähigkeit.
Kann ein Geschenk nicht beschafft werden, wird ein gleichwertiger Ersatz gefunden. Muss eine Familie umziehen, versuchen unsere Partner das Kind wiederzufinden oder das Geschenk einem anderen Kind in einer vergleichbaren Situation zukommen zu lassen.
Manche Menschen fragen mich, ob ein Weihnachtsgeschenk angesichts der Schrecken des Krieges überhaupt etwas bewirken kann. Natürlich wird ein Geschenk den Krieg nicht beenden. Es wird kein zerstörtes Haus wieder aufbauen. Es wird keine Traumata heilen. Aber es kann einem Kind etwas Entscheidendes vermitteln: Jemand denkt an mich.
Irgendwo in Europa hat jemand entschieden, dass mein Leben zählt und dass ich nicht vergessen werden darf. Für ein Kind, das im Krieg lebt, hat diese Botschaft einen unschätzbaren Wert. Psychologen, die mit diesen Kindern arbeiten, erinnern uns immer wieder daran, wie wichtig Gesten der Solidarität, Aufmerksamkeit und positive Erlebnisse für den Heilungsprozess sind.
Das Geschenk selbst ist letztlich nur ein Symbol. Was wir wirklich schenken, sind Momente der Freude, der Hoffnung und der Normalität.
Im Laufe der Jahre ist das Projekt Weihnachtsengel weit mehr geworden als eine Spendenaktion. Es ist eine Bewegung der Solidarität, die Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprachen und Lebenswege miteinander verbindet.
Mitarbeitende von Unternehmen, Pensionisten, Familien, Studierende, Stiftungen und Freiwillige engagieren sich gemeinsam, um Kindern in einer unsicheren Welt eine einfache Botschaft zu senden:
Diese Botschaft motiviert mich, das Projekt Jahr für Jahr fortzuführen.
Dank der Großzügigkeit privater Sponsoren, Unternehmen und Stiftungen konnten im vergangenen Jahr 855 vom Krieg betroffene ukrainische Kinder ein persönliches Weihnachtsgeschenk erhalten. Diese Initiative wurde sogar vom österreichischen Fernsehsender ORF begleitet und einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.
Und nur dank der Unterstützung unserer Partner, Freiwilligen und Spender kann dieses menschliche Abenteuer weitergehen.
Wenn ich an die Weihnachtsengel denke, denke ich nicht zuerst an Geschenke.
Ich denke an das kleine Mädchen, das zum ersten Mal seit Jahren wieder eine Puppe bekommt.
Ich denke an den Jungen, der nach seiner Flucht vor den Kämpfen in einem Rehabilitationszentrum lebt.
Ich denke an all jene Familien, die versuchen, trotz des Krieges wieder ein normales Leben zu führen.
Solange dieser Krieg andauert, werden wir diese Kinder unterstützen. Denn kein Kind sollte in Angst aufwachsen. Kein Kind sollte an Weihnachten vergessen werden. Und manchmal kann eine kleine Geste eine unermesslich große Hoffnung schenken.
Allen Menschen, die dieses Projekt unterstützen, möchte ich einfach sagen:
Danke, dass Sie einem Kind wieder ein Lächeln schenken.
Danke, dass Sie ein einfaches Geschenk in eine Botschaft der Hoffnung verwandeln.
Danke, dass Sie auf Ihre Weise selbst zu einem Weihnachtsengel werden.Â
Heute warten noch immer rund 600 ukrainische Kinder auf ihren Weihnachtsengel. Mit 40 Euro können Sie einem Kind das Geschenk ermöglichen, das es selbst ausgewählt hat, und ihm zeigen, dass Menschen an es glauben und an seine Zukunft denken. Mit Ihrer Unterstützung finanzieren Sie nicht einfach ein Geschenk.
Sie senden eine Botschaft der Hoffnung, der Solidarität und der Menschlichkeit an ein Kind, das diese Botschaft dringend braucht.