Foto: Iris Januska
Als wir ankommen, lächelt sie.
Oksana ist weit über achtzig Jahre alt. Langsam bewegt sie sich durch das, was einmal ihr Zuhause war. Um sie herum liegen Steine, Schutt und die Überreste eines Lebenswerks. Doch statt über Zerstörung zu sprechen, zeigt sie uns ihre Rosen. Danach führt sie uns stolz durch ihren Gemüsegarten, in dem Tomaten, Bohnen und Blumen wachsen.
Vor dem Krieg lebte Oksana glücklich in dem Haus, das sie und ihr Mann über Jahrzehnte aufgebaut hatten. Jeder Stein war das Ergebnis harter Arbeit und vieler Entbehrungen. Hier wurden ihre Kinder groß, hier entstanden die Erinnerungen eines ganzen Lebens.
Am 23. März 2022 wurde dieses Haus während des russischen Angriffs auf Kyjiw zerstört.
Doch Oksana weigerte sich zu gehen.
„Hier sind meine Erinnerungen. Hier habe ich mit meinem Mann gelebt. Hier ist mein Zuhause“, sagt sie.
Während Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer ihre Heimat verlassen mussten, entschied sich Oksana zu bleiben. Heute lebt sie in einem einfachen Container am Rand ihres Gartens. Im Winter ist es eisig kalt, im Sommer unerträglich heiß. Trotzdem denkt sie nicht daran, aufzugeben.
Ihr Garten ist ihr täglicher Widerstand gegen die Verzweiflung.
Was uns jedoch am meisten beeindruckt, ist ihre tiefe Liebe zur Ukraine. Obwohl sie selbst nur eine kleine Unterstützung vom ukrainischen Staat und von kleine herzen erhält, spendet sie einen großen Teil davon an die ukrainischen Streitkräfte.
Nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Überzeugung.
Auch im hohen Alter führt Oksana ihren eigenen Kampf – nicht mit Waffen, sondern mit Mut, Würde und unerschütterlicher Treue zu ihrem Land. Ihr Patriotismus zeigt sich nicht in großen Worten. Er zeigt sich in ihrer Entscheidung zu bleiben, ihre Heimat nicht aufzugeben und jeden Morgen neu zu beginnen.
Fotos: Iris Januska und kleine herzen
Heute sind die Anrufe ihrer Kinder und Enkelkinder ihr größter Schatz. Und ihr Garten, den sie Tag für Tag mit Liebe pflegt.